Das war die Sendung am 20. Juni 2010
„Während Sie das hören, bin ich in Ost-Anatolien.“ Mit diesen Worten begrüßte Willi Resetarits am 20.Juni seinen Hörerinnen und Hörer. Die Sendung war nämlich vor-aufgezeichnet worden. Deshalb gab es dieses Mal auch keine Überzugs-Zeit. Ansonsten war die Atmosphäre wie immer,...na ja, vielleicht ging´s ein bisschen familiärer zu, denn Meister Wilhelm hatte seine Tante Juditha Kirits, seine Cousine Grandits und ihren Mann Valentin eingeladen. Nach deren burgenländisch-kroatischen Volksliedern „bliesen“ die Jazzer Herbert Berger und Christian Wegscheider einen kräftigen Kontrast. Und Caritas-Präsident Fran Küberl sprach über sein Buchprojekt „Mein armes Österreich. Und wie es reicher sein könnte“.
Jazz, Burgenland-Folk und Armut in Österreich
Das burgenländische Trio sang kroatisch, weshalb Willi Resetarits als Übersetzer fungierte. Im Lied „Schöne Müllerin“ /„Mila Moja“ erzählt eine junge Frau, sie habe schon viele Anwärter gehabt, habe aber noch keinem zuvor eine Blume gegeben. Wilhelm war offensichtlich mit Tante und Cousine nicht ganz d´accord, was man unter dem Ausdruck „jemandem eine Blume zu geben“ verstehen könne. Aber diese interpretatorischen Ungereimtheiten machten Spaß, zumal Wilhelm von den beiden Damen die Stinatzer Volkslieder ja als Kind gelernt hatte. Im Gegensatz zur musikalischen Idylle standen dann die Aussagen von Caritas-Chef Küberl: Ausgestoßenheit, Behinderung, Armut in kinderreichen Familien, der Besitz eines anderen Passes, der Status als Asylwerber, das Gefühl, nicht mehr in der Lage zu sein, sich alleine weiter zu helfen, mache betroffen. Die Leute seien auf die solidarische Hilfe durch die Gesellschaft angewiesen. Er bewundere Menschen, die nicht resignierten, obwohl sie sich 200 Mal um einen Job beworben hatten und daraufhin nicht einmal eine Antwort erhalten haben. Küberl warf der Öffentlichkeit vor: „Je ärmer, je obdachloser jemand ist, umso weniger Hilfe gibt es vom Staat.“ Nach dieser kalten Dusche passte Herbert Bergers und Christian Wegscheiders „Keep Cool“ als perfekte Brücke zur Nachdenklichkeit. Berger erzählte, dass der Titel seiner neuen CD „The bitter ends“ eine Reminiszenz an einen New Yorker Jazz-Club darstelle. Wenn Berger und Wegscheider nicht mit Meister Wilhelms Stubenblues unterwegs sind, treten sie als Mitglieder verschiedenster Klangkörper auf. So ist Berger u.a. Saxophonist bei den Wiener Philharmonikern, und Wegscheider war „bis vorgestern“ musikalischer Gefährte von Udo Jürgens. Im Studio 2 des Funkhause spielten dann die beiden auf Harp und Klavier das Stück „Aurora“, in das Wilhelm mit dem H.C.Artmann-Text „A Park ohne Bam“ einstimmte. Der Maestro schüttelte dazu auch den Shaker und erzählte: „Den Shaker haben wir in 3 ½ Sekunden gebaut: aus zwei zusammengeklebten Kaffeebechern mit einer Füllung aus Reis.“ Dann lud Resetarits die ZuhörerInnen ein, am 18. September auf den Heldenplatz zu kommen. Dort gebe es ein großes Solidaritätsfest nach dem Motto „Machen wir uns stark“, damit Integration und Fremdenpolitik ganz anders ablaufe als bisher. Küberl meinte, zur Lösung der Probleme bedürfe es „List und Lust“. Das war auch eine sehr gute Überleitung zur schalkhaften Bodenständigkeit, die aus dem burgenländischen Abschiedslied sprach. „Sauft`s und esst`s, heut kost`s euch nichts“, heißt es darin, und: die Schuhe können ruhig durchgetanzt werden, denn man habe noch drei Paare zu Hause. Allerdings seien auch diese ausgeborgt.

