Das war die Sendung am 7. März 2010
GästInnen: Georg Ringsgwandl, Nick Woodland, Tobias Schwartz, Manfred Mildenberger
Früher schnitt der bayrische Arzt mit dem Skalpell, heute artikuliert er sich über seine scharfe Zunge zu fetzigen, manchmal derben, dann wieder trügerisch-verführerischen Melodien. Sprachlos ist höchstens das Publikum, Ringsgwandl selbst ist selten um Worte verlegen. Das bewies er als Studiogast bei Willi Resetarits.
Zither-Partie mit Ringsgwandl
Georg Ringsgwandl stammt aus einfachen Verhältnissen. Aus seiner Biografie erfährt man, dass sein kriegsversehrter Vater Postbeamter gewesen war, und dass er seine Begeisterung für die Musik über das Zitherspiel entdeckte. Und die erste Zither hat er von einer Tante geschenkt bekommen. Kein Wunder also, dass Ringsgwandl zu „Trost & Rat“ dieses altertümliche, alpenländische Instrument mitbrachte. Begleitet wurde der Bayer von Nick Woodland (git.), Tobias Schwartz (b) und Manfred Mildenberger (perc). Natürlich griff Ringsgwandl auch selbst zur Gitarre: Er hatte dieses Universalausdrucksgerät 1967, während eines achtmonatigen Sanatoriumaufenthaltes, für sich entdeckt. Nach dem Gymnasium studierte er Medizin und arbeitete bis 1993 als Arzt. Vielleicht fahren deswegen die Texte des Liedermachers in die Knochen. Seine rockig, alpenländisch, volkstümlich jazzigen, kabarettistischen Phrasen und Paraphrasen ersticken bisweilen durch ihre sozialkritische Schärfe das spontane Auflachen. Schon die „harmlosen“ Lied-Titel verraten diese Intention: Beim Bäcker Meier, Zugehfrau, Dahoam is net dahoam, Konsumverweigerer und Jünger innen drin. Kein Wunder, dass Willi Resetarits den Barden im Talk zu Zungenschärfe und aktuellen Kommentaren zum Zeitgeschehen „verführen“ konnte. Die beiden redeten über: Einsamkeit, Partnersuche, Landleben, Konsumrausch, Quacksalberei & Schulmedizin, aber auch über den Klimagipfel und das Null-Energie-Haus. Im Radio Wien-Studio ging es also nicht nur musikalisch reichlich bunt zu.

